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Physiotherapeutische Behandlung bei Kindern

Da der Transport  des Sputums durch die Zilien gestört ist, muss der Schleim aktiv aus den unteren Atemwegen entfernt werden. Durch die defekten Zilien kann es zu chronischem Husten, chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen, Mittelohrentzündungen und Bronchiektasen kommen.

Es gibt verschiedene Ziele in der Physiotherapie:

1. Verbesserung der Ventilation der gesamten Lunge
2. Verhinderung/Beseitigung von Atelektasen
3. Reduzierung der Atemarbeit
4. Reduzierung der Sputumretention und dadurch verminderter Lungenschaden


Um diese Ziele zu erreichen, gibt es zwei Teilaspekte in der Physiotherapie:
Übungen zur Beseitigung des Sputums sowie Steigerung der körperlichen Aktivität/Fitness.

Sputum-Übungen

 Bei Sputum-Übungen gibt es die folgenden Prinzipien:

1. Einatmen
2. Vibration
3. Ausatmen
4. Körperhaltung

Einatmen
Wenn Sputum aus den Atemwegen transportiert werden muss, ist es wichtig, dass Luft hinter den Schleim kommt.
ACBT (Active Cycle of Breathing Techniques) ist eine Atemübung, die aus 3 Phasen besteht:
1.    entspannt atmen,
2.    maximal einatmen, dann Atem anhalten,
3.    huffen (wenn Schleim spürbar ist, abhusten)

Das PEP-System (Positiv Expiratory Pressure) ist ein Hilfsmittel, bei dem man gegen einen erhöhten Widerstand ausatmen muss, wodurch das Lungenvolumen größer wird und mehr Luft hinter das Sputum kommen kann. Dadurch wird das Abhusten besser möglich.

Vibration
Um die Visko-Elastizität des Sputums zu verringern, muss die Vibration im Brustkorb mindestens 22 Herz (22 Schläge pro Sekunde) erreichen. Das heißt, dass manuelle Techniken  zur Sputummobilisation nicht effektiv sein können. Wie z.B. das in der Vergangenheit oft praktizierte „Klopfen auf den Brustkorb“.
Mögliche Alternativen wären der Flutter  oder The Vest

Ausatmen
Sputummobilisation durch schnelle Ausatmung  wie z.B. Husten oder Huffen kommt zu Stande durch dynamische Kompression der Atemwege und durch die hohe Geschwindigkeit des Luftstroms.

Husten sorgt nur für Sputummobilisation in die großen Atemwege und ist schwierig zu dosieren.

Huffen ist eine kräftige Ausatemtechnik mit offener Stimmritze, die Kraft ist dabei gut zu dosieren  Wenn Kinder jünger sind als 2 Jahre, kann man das mittels Kompression des Brustkorbs erreichen.

Autogene Drainage ist eine Atemtechnik, bei der die Patienten ein Körper-Gefühl entwickeln müssen, das ihnen ermöglicht, die internen Vibrationen zu spüren. Es gibt 3 Phasen: Lösen, Sammeln, Abhusten.


Körperhaltung
Eine spezielle Körperlagerung hat nur einen Effekt, wenn der Patient relativ viel dünnes Sputum hat. Es treten aber oft Nachteile auf, z.B. unangenehmes Gefühl bei der Lagerung mit dem Kopf nach unten  oder Reflux-Beschwerden.

Es gibt  ganz viele verschiedene Airway Clearance  Techniken und Hilfsmittel. Zusammen mit einem Physiotherapeuten sollen die am besten geeigneten Techniken/Hilfsmittel ausgewählt werden, das ist abhängig von:

-    dem Alter des Patienten
-    der Menge und Viskosität des Sputums
-    der Stabilität der Lunge
-    der Hygiene
-    der Motivation/ den Vorlieben des Patienten


Körperliche Aktivität

Da durch körperliche Aktivität tiefere Einatmung und größere Ausatmungs-Geschwindigkeit eintritt, wird die Mobilisation des Sputums einfacher. Nebenbei wird die Kondition verbessert.
Für Kinder wäre es sehr wichtig, sich jeden Tag  30 Minuten ordentlich zu bewegen (Fahrradfahren, spazieren gehen, …) und sich 2 bis 3 mal pro Woche intensiv sportlich zu betätigen (Fußball, Basketball, Trampolin,…). Dabei sollte der Spaß an der körperlichen Aktivität im Vordergrund stehen, da sportliche Aktivität für PCD-Patienten immer ein wichtiger Teil des Lebens bleiben wird.
Bei ganz kleinen Kindern sind Pustespiele, Kitzeln, Tummeln sehr effektiv, ab Kleinkindesalter kann man schon anfangen, Trampolin zu springen usw.
Wichtig ist es, die kleinen Patienten so schnell wie möglich in die Lage zu versetzen, ihre Übungen selbstständig durchzuführen. Auch das Auswählen und die Benutzung von Hilfsmitteln sollten Kinder möglichst frühzeitig erlernen. Möglichst vor Eintritt in die Pubertät sollte die tägliche Lungenpflege Routine geworden sein.

Quelle: Zusammenfassung des Vortrags von Dr. Lianne van der Giessen, Erasmus Universiteit Rotterdam